
26.08.09 - 08:25
Der Neubau an der Lennestraße erinnert weiter an den Wunderläufer. Fans freut es. Doch hätte die Vermarktung des Namens Geld gebracht.
Von Thilo Alexe
Rund einen Monat vor der offiziellen Stadioneröffhung ist es raus: Der Neubau trägt den alten Namen. Dynamos neue Heimat heißt weiterhin Rudolf Harbig Stadion. Noch mindestens zwei Jahre erinnert die Sportstätte an den 1913 in Dresden-Trachau geborenen Mittelstrecken-Läufer.
Nach Angaben von Stadionmanager Hans-Jörg Otto soll der Schriftzug ?Rudolf Harbig Stadion" vor der Eröffnung am 15. September auf die Glasfassade der Haupttribüne angebracht werden. Damit ist klar, dass kein Unternehmen die Namensrechte erworben hat. Einen sechsstelligen Betrag - im Gespräch war bis zu einer halben Million Euro - hätte deren Verkauf etwa an eine Brauerei bringen können. Otto weist daraufhin, dass die Vermarktungs-Agentur Sportfive die Priorität auf die für die Refinanzierung des Baus wichtigen Vip-Plätze gelegt habe. Ein reichliches Drittel der 1170 Business-Sitze sowie die Hälfte der 18 Logen seien bereits vermietet worden. Letztere kosten dem Vernehmen nach jeweils rund 30 000 Euro pro Saison.
Abgeschreckt hat mögliche Namens-Sponsoren offenbar die Frauen-WM im Jahr 2011, bei der Dresden Spielort ist. Sie hätten ihren Schriftzug während des Turniers abmontieren müssen, so wie auch bei der Nachwuchsweltmeisterschaft im kommenden Jahr. Auch die Wirtschaftskrise dürfte dazu beigetragen haben, dass kein Unternehmen die Rechte kaufte. Otto: ?Es wird aber weiter versucht, den Namen zu vermarkten."
Dieses Sponsoring ist im Profifüßball mittlerweile üblich - und erreicht schwindelerregende Ausmaße. Der Bundesligist Schalke 04 erhält nach unbestätigten Angaben zwischen 40 und 60 Millionen Euro, damit das Gelsenkirchner Stadion als Veltins-Arena über die Mattscheiben flimmert. Die Dortmunder Borussen laufen längst nicht mehr im Westfalenstadion auf. Die mehrjährige Umbenennung der Wettkampfstätte in Signal-Iduna-Arena bringt ihnen angeblich 20 Millionen Euro von dem Versicherer.
Umstrittene Umbenennung
Bei Anhängern sind Stadion-Umbenennungen als Zeichen für den Kommerz im Sport umstritten. ?Ich möchte nicht, dass wir mal wie Nürnberg in einer Easy-Credit-Arena spielen", sagt Robert Pohl von der Fangemeinschaft Dynamo. ?Es ist gut, dass der vertraute Name Rudolf Haibig Stadion bleibt", fügt er hinzu. ?Mein geheimer Wunsch ist aber, dass das Stadion irgendwann einmal Dynamo Stadion heißt."
In den 70er-Jahren bürgerte sich diese Bezeichnung für die Anlage am Großen Garten ein. Doch bereits seit seit ihrer Sanierung 1951 hieß die im Krieg schwer zerstörte Ilgen-Kampfbahn Rudolf Harbig Stadion. Der im zweiten Weltkrieg gefallene Jahrhundertläufer ist bislang der einzige, der Weltrekorde über 400, 800 und 1000 Meter gleichzeitig hielt. 1990 erhielt das Stadion wieder dessen Namen.
Ungeachtet der Vermarktungsfragen laufen die Arbeiten am Stadion planmäßig, wie Bauleiter Kay-Uwe Panzer sagt. Zur Eröffhungspartie gegen Schalke ist die Fankneipe allerdings noch nicht betriebsbereit. Panzer zufolge wird die Dynamo-Heimat vertragsgemäß zum Jahresende fertiggestellt.
Nach Angaben von Sportbürgermeister Winfried Lehmann gründen Stadt, Verein und die Projektgesellschaft eine Arbeitsgruppe, um Details des Stadionbetriebs zu klären. Der CDU-Politiker verweist auf das hohe Zuschauerinteresse bei Dynamo-Spielen. ?Bei diesem Potenzial sollte es möglich sein, das Stadion vernünftig zu managen, ohne dass die Stadt weiteres Geld zuschießen muss." Dresden bürgt mit 40 Millionen Euro für den Bau.